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Rückblick auf die öffentliche Projektvorstellung zum Wiederaufbau des Schlossturms Neustrelitz

9. Schlossbergkonferenz diskutiert weitere Entwicklung des Neustrelitzer Schlossbergs

Im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz fand am 29. Januar 2026 die 9. Schlossbergkonferenz statt. Rund 90 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand der Überlegungen zur Entwicklung des Neustrelitzer Schlossbergs zu informieren. Im Fokus standen der Wiederaufbau des Schlossturms sowie eine alternative Gestaltungsvariante. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der Stiftung Mecklenburg. Vertreter der Stiftung und der Residenzstadt Neustrelitz betonten die Bedeutung eines transparenten Prozesses und einer breiten öffentlichen Diskussion. Stadtpräsident Max Odebrecht verwies auf die finanzielle Situation der Kommune und den Beschluss der Stadtvertretung, neben dem Turmprojekt auch eine alternative Lösung prüfen zu lassen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass diese Prüfung keine grundsätzliche Entscheidung gegen den Turmwiederaufbau darstellt.

In Fachbeiträgen von Jürgen Haase (Residenzschlossverein Neustrelitz), Holger Wilfarth (Initiator Demokratiegeschichte Mecklenburg-Strelitz), Nico Ruhmer (Dezernent für Stadtentwicklung und Bau Residenzstadt Neustrelitz) sowie Wilhelm von Boddien als langjähriger Begleiter der Schlossbergkonferenz wurden unterschiedliche Perspektiven vorgestellt. Dabei wurden denkmalpflegerische, wirtschaftliche und touristische Aspekte ebenso wie die Historie von Beschlüssen zum Schlossturm und nicht zuletzt die Einbindung einer geplanten Demokratieausstellung beleuchtet.

Nico Ruhmer erläuterte die Hintergründe für die Prüfung einer alternativen Entwicklungsvariante. Anlass dafür sind insbesondere die mittlerweile deutlich gestiegenen Kosten für den Schlossturm, die sich auf Grundlage der aktuellen Entwurfsplanung auf rund 12,8 Mio. Euro belaufen. Trotz in Aussicht gestellter Fördermittel von über 6 Mio. Euro verbleibt ein erheblicher Eigenanteil bei der Stadt – hinzu kommen langfristige Betriebs- und Unterhaltungskosten. Vor diesem Hintergrund hatte die Stadtvertretung Neustrelitz beschlossen, ergänzend ein alternatives Gesamtkonzept für den Schlossberg prüfen zu lassen.

Baudezernent Ruhmer stellte eine Projektstudie vor, die den historischen Grundriss des ehemaligen Barockschlosses aufgreift und in Form einer offenen Fassaden- und Grundmauerstruktur neu interpretiert. Vorgesehen ist in diesem Zusammenhang eine schrittweise Entwicklung des Areals mit bodennahen, durchlässigen Bauelementen, Aufenthaltsflächen sowie Möglichkeiten für Veranstaltungen. Eine Ausstellung zur Demokratiegeschichte Mecklenburg-Strelitz kann in dieses Konzept integriert werden. Der Schlossberg soll laut Projektstudie als öffentlich zugänglicher Ort für Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste gestaltet werden, wobei die Fläche des geplanten Schlossturms perspektivisch entwickelbar bleibt. Für diese Variante wird derzeit von einer Grobkostenschätzung in Höhe von etwa 4,7 Mio. Euro ausgegangen. Die Projektstudie wurde ebenfalls bei Fördermittelgebern eingereicht, um die Förderfähigkeit prüfen zu lassen. Parallel laufen Abstimmungen mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern, unter anderem zur Möglichkeit der Kellerberäumung und zur Grundstücksfrage.

Die an die Fachbeiträge anknüpfende Diskussion wurde von Ernst-August von der Wense, Justitiar der Stadtverwaltung Neustrelitz und ehemaliger Stadtpräsident, moderiert. Angeregt wurde unter anderem, temporär Container mit Informationsangeboten auf dem Schlossberg einzurichten, um dort Planungsstände zu präsentieren und Feedback aus der Bevölkerung zu sammeln. In der offenen Aussprache wurden daraufhin die vorgestellten Varianten erörtert. Dabei wurde auch auf die weiterhin ungeklärte Situation des Schlosskellers hingewiesen und die Notwendigkeit betont, hierzu Gespräche mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern fortzuführen. Mit einem Ausblick auf die weiteren Schritte im Beteiligungs- und Entscheidungsprozess endete die 9. Schlossbergkonferenz.

Informationsveranstaltung im Kulturquartier

Am 14.07.2025 fand im Neustrelitzer Kulturquartier eine öffentliche Informationsveranstaltung statt, in der die damaligen Planungsstände zur Rekonstruktion und Neufassung des Neustrelitzer Schlossturms vorgestellt wurden. Dazu hatten die Residenzstadt Neustrelitz und der Residenzschlossverein Neustrelitz e.V. die Stadtvertretung, Vereinsmitglieder sowie Bürgerinnen und Bürger eingeladen.

Mit dem Vorhaben wird eine bauliche Gestaltung des Schlossberges, auf dem sich einst das Residenzschloss von Neustrelitz befand, in Erwägung gezogen. Dabei wird vorgesehen, den Schlossturm in seiner äußerlichen Gestaltung nach historischem Vorbild, und in seiner Funktion als Ausstellungs- und Aussichtsturm, am ursprünglichen Standort, neu zu bauen.

Hierzu wurde im Jahr 2021 durch das Büro mkk-Architekten GmbB aus Schwerin eine bauliche Vorplanung und ein Grobkonzept für die Ausstellung erarbeitet, das thematisch die Demokratiegeschichte von Mecklenburg-Strelitz beinhaltet.

Am 16.05.24 fasste die Neustrelitzer Stadtvertretung einen Beschluss, mit dem die bauliche Vorplanung bis zur detaillierteren Entwurfsplanung weitergeführt werden sollte. Damit war das Ziel verbunden, exaktere Angaben zu den Baukosten für weitere Entscheidungen zu bekommen. Auch sind die Planungsunterlagen für einen qualifizierten Fördermittelantrag erforderlich. Für die Erarbeitung wurde das Büro mkk-Architekten GmbB durch die Stadt beauftragt.

Weiterhin wurde beschlossen, dass in dem Schlossturm die Demokratiegeschichte von Mecklenburg-Strelitz als Dauerausstellung wiedergegeben werden soll und dazu ein wissenschaftlich fundiertes Ausstellungskonzept durch ein Büro zu erarbeiten ist. Mit der Erarbeitung wurde die musealis GmbH aus Weimar beauftragt. Für die Erstellung hatte der Residenzschlossverein Fördermittel bei der Bundesstiftung „Orte der Demokratiegeschichte“ beantragt und bewilligt bekommen. In Abstimmung mit der Stadt war der Verein auch Auftraggeber.  

In der Veranstaltung im Kulturquartier stellte der Architekt Frank Kirsten von mkk-Architekten GmbB die abgeschlossene Entwurfsplanung für das Bauwerk vor. Dem schloss sich Andreas Feddersen von der musealis GmbH mit seiner Vorstellung des Ausstellungskonzeptes an.

Detailliertere Bauplanung und gestiegene Baukosten

Die erarbeitete Bauplanung sieht vor, dass der Schlossturm eine Höhe von 52,60m aufweist. Es sind 5 Ausstellungsebenen und eine Aussichtsebene vorgesehen. Für die barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen ist ein Aufzug integriert. Die Nutzfläche des Schlossturms beträgt ca. 295m². Die Fassadengestaltung orientiert sich am historischen Schlossturm, in der sich viele und gestalterisch anspruchsvolle Sandsteinelemente einfügen. Bedingt, dass der Turm ursprünglich als Erweiterung errichtet wurde und als Verbindungsbau fungierte, sind die betreffenden Fassadenflächen in dem Entwurf abgesetzt. Die aktuelle Planung berücksichtigt nun auch die Brandschutzplanung, Tragwerksplanung und Elektroplanung.

Die Baukosten wurden nach der Vorplanung in 2021 auf ca. 7,4 Mio. Euro beziffert. Eine Aktualisierung erfolgte in 2023. Bedingt der allgegenwärtigen Baukostensteigerungen und Planungspräzisierung belief sich die Kostenschätzung in 2023 auf ca. 9,5 Mio. Euro. Mit der Erarbeitung der Entwurfsplanung erfolgte die weitere Präzisierung und vertiefende Bauplanung. Im Ergebnis weist die derzeitige Kostenschätzung eine Gesamtinvestition von ca. 12,8 Mio. Euro aus. Große Kostenfaktoren sind die Wiederherstellung der historischen Sandsteinfassade und die Konstruktion der Turmkuppel.

Für das Vorhaben wurden erste Voranträge für Fördermittel gestellt. Aktuell stellt das Land Mecklenburg-Vorpommern 3 Mio. Euro und der Bundesbeauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) 3,6 Mio. Euro Fördermittel in Aussicht. Für eine abschließende Prüfung und Bewilligung müssen bis zum 31.12.2026 qualifizierte Fördermittelanträge eingereicht werden. Unter Berücksichtigung der in Aussicht gestellten Fördermittel beliefe sich der Eigenanteil der Stadt für die Umsetzung des Vorhabens aktuell bei ca. 6,2 Mio. Euro.

Voraussetzung für eine Förderung durch das BKM ist ein Projekt nationaler Bedeutung. Dem soll das Ausstellungskonzept und die enthaltene Demokratiegeschihte von Mecklenburg-Strelitz Rechnung tragen.

Konzept einer Ausstellung zur Demokratiegeschichte von Mecklenburg-Strelitz

Die Residenzstadt Neustrelitz ist ein offizieller „Ort der Demokratiegeschichte“ in der Bundesrepublik Deutschland. So wurde 1919 im Neustrelitzer Schloss die erste demokratische Landesverfassung in Deutschland verabschiedet. Vor dem Hintergrund steht das Ausstellungskonzept unter dem Titel „Aufstieg zur Demokratie“ und erzählt die Demokratiegeschichte von Mecklenburg-Strelitz ab der Revolution von 1948/49. Der Verfasser, die musealis GmbH, hat sich bei der Ausarbeitung an die Flächen und Ebenen im Entwurf des Schlossturms stark orientiert bzw. die szenografischen Merkmale an die räumlichen Bedingungen konzeptionell zugeschnitten. Über 5 Ausstellungsebenen sollen Themen zur Demokratie an einem roten Faden präsentiert werden.

Im Erdgeschoss (Ausstellungsebene 0) befindet sich der Empfangsbereich. Inhaltlich wird die Ebene mit der Grundsatzfrage „Was ist Demokratie?“ inszeniert.

Die erste Ausstellungsebene im 1. Obergeschoss widmet sich den historischen Wurzeln der Demokratie und den frühen demokratischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts – mit einem besonderen Fokus auf der Region Mecklenburg-Strelitz.

Die zweite Ausstellungsebene im 2.OG Obergeschoss stellt die Umbruchszeit 1918/19 in den Fokus und wirft vorrangig Fragen der Verantwortung und Vielfalt auf. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Transformation von der ständischen Herrschaft zur parlamentarischen Demokratie in Mecklenburg-Strelitz.

Die dritte Ebene im 3. Obergeschoss beleuchtet die Zerschlagung demokratischer Strukturen während des Nationalsozialismus, die Einschränkung politischer Rechte in der DDR sowie die Ambivalenzen von Demokratie und Diktatur.

Die vierte Ebene im 4. Obergeschoss der Ausstellung, das „Labor der Demokratie“, stellt die zentralen Werte der Demokratie gemeinsam in den Mittelpunkt und bietet den Besucher*innen die Möglichkeit, aktiv an demokratischen Prozessen mitzudenken.

Im fünften Obergeschoss (Aussichtsebene) – das höchste, das Besucher und Besucherinnen per Treppenaufgang oder mit dem Aufzug erreichen können – steht im Zentrum des Erlebens der Ausblick auf den umliegenden Schlossgarten und das Stadtpanorama Neustrelitz’.

Für den Betrieb und die Bewirtschaftung des Schlossturms bedarf es eines auszufertigenden Betreiberkonzeptes. Neben den Baukosten müssen laufende Kosten für die bauliche Unterhaltung und die Bewirtschaftung zur Sicherstellung des Ausstellungsbetriebes bedacht werden. Diese Folgekosten sind aktuell noch nicht abschließend beziffert.